Leben mit Bildschirmen: Wie können wir unsere Kinder in einer hypervernetzten Welt begleiten?

enfant interactions écran

Bildschirme nehmen einen immer größeren Platz in unserem Alltag ein. Telefone, Tablets, Fernseher, Computer ... sie bestimmen unseren Tagesablauf ebenso wie den unserer Kinder. Anstatt die digitale Welt als Feind zu betrachten, ist es wichtig zu lernen, mit Bildschirmen auf ausgewogene und kontrollierte Weise umzugehen.
Bei KidsCare begleiten wir Familien täglich bei ihren Fragen. Unsere Pädagogik legt den Schwerpunkt auf die ganzheitliche Entwicklung des Kindes, die Berücksichtigung seiner Grundbedürfnisse und eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern, Kindern und Fachleuten. Bildschirme gehören heute zu den Realitäten, mit denen wir uns gemeinsam auseinandersetzen müssen.
 

Dieser Artikel stützt sich auf die Diplomarbeit und die Forschungsergebnisse von Tamara Vils, Erzieherin in unserer Kindertagesstätte in Mont-sur-Lausanne.

 

Warum üben Bildschirme eine solche Anziehungskraft auf Kinder aus?

Schon von klein auf sind Kinder fasziniert von den Farben, schnellen Bewegungen, Geräuschen und Interaktionen, die Bildschirme bieten. Diese Geräte erfüllen oft tiefgreifende Bedürfnisse:

  • Entspannen Sie sich nach einem ereignisreichen Tag
  • Entdecken Sie neue Inhalte
  • Nachahmung der Erwachsenen, die selbst sehr viel Zeit mit ihren Geräten verbringen
  • Einen Mangel, Müdigkeit oder Frustration ausgleichen 

Das Problem ist also nicht der Bildschirm an sich, sondern der Platz, den er im Familienleben einnimmt, und das, was er ersetzen kann: Momente der Verbundenheit, des Spielens, der Bewegung, der Interaktion.

 

enfant qui regarde la télé

 

Die Grundbedürfnisse des Kindes: ein Anhaltspunkt für die Anpassung der Bildschirmzeiten

Um unsere Kinder richtig zu begleiten, ist es unerlässlich, sich auf ihre grundlegenden Bedürfnisse zu besinnen: physiologische, emotionale und soziale Bedürfnisse.


1. Bewegung, Ernährung, Schlaf
Bildschirme können folgende Aspekte beeinträchtigen:
•    die Schlafqualität (blaues Licht, Überreizung)
•    die Wahrnehmung der Mahlzeiten
•    die für die Entwicklung wichtige motorische Aktivität
Regelmäßige Rituale und bildschirmfreie Zeiten (morgens, während der Mahlzeiten, vor dem Schlafengehen) tragen dazu bei, diese lebenswichtigen Bedürfnisse zu erfüllen.


2. In Verbindung bleiben
Menschliche Interaktionen: Blicke, gemeinsames Spielen, Gespräche, Gesten – all dies bildet die Grundlage für die emotionale Entwicklung und die Sprachentwicklung.
Bestimmte Arten der Bildschirmnutzung können zu Technopherenzen führen: Der Erwachsene ist zwar physisch anwesend, aber mental mit seinem Telefon beschäftigt. Das Kind kann dann das Gefühl haben, dass es emotional nicht ausreichend verfügbar ist.


3. Erkunden, manipulieren, sich kompetent fühlen
Nichts kann Sinnerserfahrungen,  das Anfassen realer Gegenstände, das Erzählen von Geschichten, symbolische Spiele oder spontane Erkundungen ersetzen.
Bildschirme können eine Ergänzung sein, sollten jedoch kein Ersatz für Langeweile, schwierige Emotionen oder Frustrationen des Alltags werden.
 

Bildschirme und Entwicklung: Was sagt die Forschung wirklich?

Die wissenschaftliche Literatur unterscheidet zwischen zwei Begriffen, die oft verwechselt werden:
•    Korrelation (zwei miteinander verbundene Phänomene)
•    Kausalität (das eine verursacht das andere)
Die meisten Studien zeigen Korrelationen zwischen übermäßiger Bildschirmnutzung und Schwierigkeiten (Aufmerksamkeit, Schlaf, Sprache ...), beweisen jedoch nicht, dass Bildschirme die direkte Ursache dafür sind.


Drei Faktoren mildern die Auswirkungen von Bildschirmen:
1.    Die Qualität der Inhalte
2.    Die Haltung der Erwachsenen (gemeinsames Fernsehen, Dialog, klare Regeln)
3.    Was der Bildschirm in der realen Erfahrung des Kindes ersetzt
Es geht also eher um Ausgewogenheit und Kontext als um Verbote oder Ängste.
 

Wie kann man Kinder konkret begleiten?

1. Bildschirmfreie Zeiten einführen
Einfache und regelmäßige Orientierungspunkte helfen Kindern, sich zu strukturieren:
•    Nach dem Aufwachen: einen ruhigen Moment, eine Umarmung, eine kurze Geschichte bevorzugen.
•    Während der Mahlzeiten: um Gespräche und Selbstständigkeit zu fördern.
•    Vor dem Schlafengehen: eine ruhige Atmosphäre ohne Lichtreize schaffen.
Diese Rituale stärken die Beziehung und erleichtern das Einschlafen.

2. Begleiten statt verbieten
Die Aufgabe der Eltern besteht nicht darin, Bildschirme zu verbieten, sondern das Kind anzuleiten:
•    Bieten Sie altersgerechte Inhalte an.
•    Schauen Sie gemeinsam fern, kommentieren Sie, stellen Sie Fragen.
•    Sprechen Sie über Emotionen oder behandelte Themen.
•    Legen Sie einfache, einheitliche und besprochene Regeln fest
Jede festgelegte Regel ist ein Baustein für den Aufbau einer dauerhaften Vertrauensbeziehung.
 
3. Den eigenen Gebrauch anpassen
Kinder lernen durch Nachahmung. Sie beobachten, wie wir unsere Telefone benutzen:
Während der Mahlzeiten? Beim Spielen mit ihnen? Beim Gehen auf der Straße?
Indem wir unsere eigenen Gewohnheiten anpassen, geben wir dem Kind wertvolle und konsistente Orientierungspunkte.

4. Alternativen wertschätzen
Kinder brauchen freies Spielen, Entdecken, Fantasie und Bewegung, um sich voll entfalten zu können. Bieten Sie ihnen Bücher und Geschichten, symbolische Spiele, kreative Aktivitäten, Zeit im Freien oder auch Momente konstruktiver Langeweile, damit sie die Welt in ihrem eigenen Tempo erkunden können. Diese wesentlichen Erfahrungen fördern seine emotionale Sicherheit, regen seine Kreativität an und stärken nach und nach seine Fähigkeit zur Selbstregulierung.

 

Praktische Tipps für einen entspannten Alltag

Es ist auch sinnvoll, die Geräte entsprechend zu konfigurieren, beispielsweise indem man abends den Flugmodus aktiviert, Benachrichtigungen deaktiviert oder geeignete Filter einrichtet. Die Bevorzugung ruhiger und lehrreicher Inhalte trägt zu einer gelasseneren Nutzung der Bildschirme bei. Es ist besser, Bildschirme nicht zur Bewältigung von Krisen oder zum Überbrücken von Momenten der Stille einzusetzen und das Kind vor dem Ausschalten klar auf den Übergang vorzubereiten, indem man ihm deutlich sagt: „Noch zwei Minuten, dann ist Schluss“. Schließlich stärkt die Wertschätzung von Fähigkeiten, die außerhalb des Bildschirms entwickelt wurden, das Selbstwertgefühl und gibt den täglichen Erfahrungen einen Sinn.

 

Nützliche Ressourcen für Familien

Um noch einen Schritt weiter zu gehen, bieten mehrere Organisationen zuverlässige Beratung an:
•    Action Innocence Swiss
•    UNICEF – Reports
•    Jungen und Medien (Schweizerische Eidgenossenschaft) 
•    Bundesamt für Sozialversicherungen BSV - Offizielle Informationen zu Altersfreigaben und Empfehlungen

 

Leben mit Bildschirmen: ein gemeinsamer Ansatz

Bei KidsCare ist es unser vorrangiges Ziel, Familien wohlwollend und ohne Vorurteile zu begleiten. Bildschirme sind weder „gut” noch „schlecht”: Sie müssen einfach Teil einer ausgewogenen Beziehung sein, in der das Kind wachsen, entdecken, träumen und all seine Fähigkeiten entwickeln kann.
Durch die Zusammenarbeit von Eltern, Kindern und Fachleuten können wir ein Umfeld schaffen, in dem digitale Medien ihren Platz haben, ohne alles zu dominieren.